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Öl- und keimfreie Druckluft - Ursachen, Probleme und Lösungen

Einführung

Bessere Produktqualität durch ölfreie Druckluft

In vielen Produktionsstätten kommt Druckluft direkt oder indirekt mit Produktionsanlagen, Produkten oder Verpackungsmaterialien in Berührung. Verunreinigungen bergen ein doppeltes Risiko: Zum einen können sie die Funktion der Druckluftanlage beeinträchtigen und zum vorzeitigen Verschleiß von Anlagekomponenten führen, zum anderen stellen sie ein reales Risiko für die Qualität des Endproduktes und somit den Verbraucher dar. Kontaminationen durch Restölgehalte, Mikroorganismen und Keime haben dann erhebliche Folgen für die Produktqualität, die Verbrauchersicherheit und den Markenruf.

Stiftung Warentest meldet Mineralöle in Schokolade, Foodwatch prangert Gefahren von Essensverpackungen an. Meldungen über Verunreinigungen und Mängel in der Qualität des Endprodukts wie diese kennen wir alle.  Auch die Folgen kennen wir: Verunsicherung bei Kunden und Handel, Pressewirbel und unsachliche Diskussionen und nicht zuletzt erhebliche Reputationsschäden.

Ursachen

Wie kommt Öl in die Druckluft?

Es gibt viele verschiedene Einfallstore für Verunreinigungen durch Partikel, Öl, Keime und Feuchtigkeit in der Druckluft. Diese müssen nicht mal im direkten Kontakt mit dem Endprodukt stehen und können dennoch Schaden anrichten.

Direkter Kontakt: Die Druckluft kommt direkt mit dem Produkt oder Verpackungsmaterial in Berührung oder gelangt in die Atemwege bzw. an von durch Haut ungeschützte innere oder äußere Stellen (z.B. bei Verletzungen).

Indirekter Kontakt: Die Druckluft wird in einer Anwendung an die Umgebungsluft abgegeben. Die expandierte Druckluft erreicht ein Objekt nur über eine entsprechende Distanz und in mit normaler Umgebungsluft verdünnter Form.

Die primären Gefahrenpotentiale sind:

  • Kontamination des Produktes mit verunreinigtem Wasser (Kondensat)

  • Kontamination des Produktes mit flüssigem Öl (Kompressor-Öl)

  • Kontamination des Produktes mit Öldampf bzw. allgemein gasförmigen Kohlenwasserstoffen und somit unerwünschten Geschmacksstoffen

  • Kontamination des Produktes mit unerwünschten metallischen bzw. nicht-metallischen Feststoffpartikeln aus dem Druckluftsystem, z.B. Rost, Korrosionspartikel, Abrieb, Dichtungsmaterial sowie sonstige sich lösende Ablagerungen

  • Kontamination des Produktes mit unerwünschten Mikroorganismen

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Umwelt

Häufig sind Öle, Keime und Feuchtigkeit schon in der Umgebungsluft vorhanden und gelangen durch die Ansaugluft des Kompressors ins Druckluftsystem. Grund für Verunreinigungen kann beispielsweise eine nahegelegene große Straße oder Baustelle sein. Das Risiko des Einfalls von Feuchtigkeit ins Druckluftnetz steigt mit der Luftfeuchtigkeit in der Umgebungsluft ebenfalls.

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Kompressor

Nicht nur ölgeschmierte, auch ölfreie Kompressoren (Ansaugluft!) können eine Quelle für Restöldämpfe im Druckluftnetz sein. Je nach direkter Umgebung und individuellen Gegebenheiten bestehen zusätzliche Gefahren: Neben Staub und Feuchtigkeit können durch die Umgebungsluft auch Öl und Mikroorganismen ins Druckluftnetz geraten.

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Armaturen

Ventile, Fittings und Armaturen. Viele Komponenten im Druckluftnetz werden zur besseren Funktion mit Fetten oder Silikonen geschmiert. Diese können leicht in die Druckluft gelangen.

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Rohrleitung

Einmal kontaminiert besteht ein ständiges Risiko: Über die Jahre bilden sich in bestehenden Rohrnetzen Ablagerungen, die die durchströmende Druckluft beeinflussen können.

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Probleme

Öleintrag durch Öldurchbruch

Weniger breite Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit als die oben genannten Probleme finden die durch Öldurchbruch entstandenen mangelhaften Produktqualitäten, Maschinenschäden, Ausschüsse, Nacharbeiten und Rückrufaktionen von Industriegütern. Dafür erzeugen sie aber hohe finanzielle Schäden - besonders in folgenden Branchen und Anwendungen:

Pharmazeutik

Pharmazeutik und Labortechnik

Bei der Herstellung von Arzneimitteln gelten strengste Hygienemaßstäbe. Deshalb ist es wichtig, dass die Produktion in einer Umgebung stattfindet, die frei von Keimen, Partikeln, Bakterien und kontaminierenden Ölen ist. Neben dem Einsatz in Krankenhäusern wird Druckluft vermehrt in Laboren genutzt. Damit in diesen hochsensiblen Umgebungen die Gefahr von Bakterienwachstum ausgeschlossen wird, muss Druckluft absolut keimfrei und trocken sein.

Use Case: Druckluft in der Pharmaindustrie

Lebensmittel

Lebensmittelindustrie und Verpackungsindustrie

Beim Verpacken und Abfüllen von Produkten muss der Zustand des Endproduktes unverändert bleiben. Insbesondere Getränke und Lebensmittel müssen schonend behandelt werden und es darf zu keiner Kontaminierung (direkt oder indirekt) kommen. Diese Verunreinigungen müssen auch hier entfernt oder reduziert werden.

Use Case Schokoladeherstellung

Use Case vegane Produkte

Lackierungen

Lackiertechnik

Die Anwendung von Druckluft in der Lackiertechnik, stellt Anforderungen an die Druckluftreinheit, die sogar über die von der ISO 8573-1 definierten Klassen hinausgehen. Partikel, Öl-Aerosol und -Dampf, silikonhaltige Stoffe sowie Kondensat sind die Hauptursachen für Fehler in der Lackiererei.

Farben und Lacke reagieren äußerst sensibel auf bestimmte Verunreinigungen in der Druckluft. Lackbenetzungsstörungen in Form von Kratern und Blasen sind die Folge, verbunden mit entsprechenden Nacharbeiten und somit finanziellem Mehraufwand. Die Druckluft muss lackverträglich sein, d.h. frei von lackbenetzungsstörenden Substanzen (dazu zählen: Graphit, Wachse, Metallseifen, Paraffine, Talkum, Teflon und Abrieb von Kunststoffen.

Lackverträgliche Druckluft ist erforderlich, wenn die Druckluft direkt oder indirekt mit noch nassen Farben oder Lacken bzw. zu lackierenden Oberflächen in Berührung kommt. Während der indirekte Kontakt durch Kabinen vermieden werden kann, ist der direkte Kontakt bei Lackierdüsen unvermeidbar.

Lackverträgliche Druckluft muss daher stets

  • trocken,

  • frei von flüssigen Verunreinigungen, Öl und Aerosolen,

  • frei von kondensationsfähigen Dampfphasen,

  • bis auf geringste Restmengen befreit von Stäuben und sonstigen Feststoffpartikeln sein.

Die in der Lackiertechnik gefürchteten Silikone können ähnlich wie auch Fette oder Öle in unterschiedlichen Phasen (fest, flüssig, gasförmig) in der Druckluft enthalten sein. Silikonhaltige Verunreinigungen können mit entsprechenden Filtern entfernt werden. Gasförmige und somit flüchtige Silikonverbindungen können jedoch ausschließlich durch eine katalytische Oxidation aus der Druckluft entfernt werden. Zur Erzeugung lackverträglicher Druckluft ist daher der Einsatz mindestens eines katalytischen Konverters zwingend erforderlich.

Chemie

Chemische Industrie

Wenn es bei der Verarbeitung von Rohstoffen (Pulver und Granulate) zu direktem Produktkontakt kommt muss die Druckluft absolut trocken und ölfrei sein. Nur so können Verunreinigungen und die Bildung von Agglomeraten ausgeschlossen werden. Zur Gewährleistung der Prozesssicherheit, ist sowohl ein permanentes Monitoring als auch eine lückenlose Dokumentation der Druckluftqualität unabdingbar.

Fallbeispiel

Elektronik

Elektroindustrie

Die Produktion bei der Chipherstellung muss unter Reinraumbedingungen stattfinden, d.h. die Druckluftqualität muss diesen Anforderungen angepasst werden.  Ein weiteres Einsatzgebiet für die Druckluft ist das Auftragen der Lötpaste auf die Leiterplatten sowie die Reinigung der Leiterplatten, Platinen und Wafern. Die eingesetzte Druckluft muss hier frei von Partikeln, Öl und Feuchtigkeit sein.

Fallbeispiel

Pulverbeschichtung

Pulverbeschichtung, auch Pulverlackierung genannt, ist ein Beschichtungsverfahren, welches sich für metallische und nicht metallische Gegenstände eignet. Einerseits wertet die Pulverlackierung das behandelte Objekt auf. Anderseits dient es zum Schutz des Objektes. Es gibt zwei Verfahren, die Elektrostatische Pulverbeschichtung (EPS) und das sogenannte Wirbelsinternverfahren.

Druckluft wird z.B. zur Förderung des Pulvers, zur Fluidisierung oder als Dosierluft genutzt und ist ein entscheidender Faktor für die Endqualität eines Produktes. Denn ölhaltige Druckluft kann zu offenen Stellen (Kratern) in der Lackschicht oder zu Blasen bzw. Kratern im Fluidbehälter führen.

Lösungen

Erzeugung von ölfreier Druckluft

Im Prinzip gibt es drei Wege zur ölfreien Druckluft. Bei der Planung sind die speziellen Anforderungen genau zu betrachten. Dies beginnt bereits mit Frage, ob ölfreie Druckluft bereits zentral verfügbar sein muss oder ob dezentral aufbereitet wird, da nur ein Teilstrom besonders hohe Anforderungen stellt.

Lösung 1

Behandlung durch Adsorption

Ölfreie Druckluft enthält noch Kohlenwasserstoffe und Geruchsstoffe, die die Qualität beeinträchtigen. Kleinere Mengen können mit Mikrofiltern oder Aktivkohlefiltern behandelt werden, während für größere Mengen Aktivkohleadsorber erforderlich sind. Im Gegensatz zu Filtern entfernen Adsorber Öltröpfchen und Kohlenwasserstoffdämpfe. Aktivkohle bindet Ölmoleküle physikalisch ohne chemische Reaktionen. Die Qualität der Aktivkohle ist ausschlaggebend für eine effektive Leistung und verhindert die Ansammlung von Schadstoffen. Ist die Aktivkohle einmal gesättigt, muss sie nach etwa 8000 bis 10.000 Stunden ausgetauscht werden. Die regelmäßige Wartung der Filter gewährleistet die Einhaltung der Qualitätsstandards für Druckluft. Den Adsorbern sollten Filter und Trockner vorgeschaltet sein, um Verunreinigungen zu vermeiden, und es wird empfohlen, einen ölfreien Staubfilter nachzuschalten. 

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Lösung 2

Behandlung durch Katalyse

Der katalytische Konverter erzeugt Druckluft, die frei von Öl, Keimen und Bakterien ist. Im Vergleich zur herkömmlichen Filtrierung ist er zuverlässiger und wartungsarm. Er kann in bestehende Druckluftsysteme nachgerütstet werden und erreicht einen Restölgehalt in der Druckluft von nur 0,001 Milligramm pro Kubikmeter und übertrifft damit die Industrienormen. Für den Dauerbetrieb ist ein Bypass oder ein redundantes System empfehlenswert. Der katalytische Konverter bietet eine zuverlässige und effiziente Lösung für Branchen, die öl- und keimfreie Druckluft benötigen, insbesondere für sensible Anwendungen wie Lebensmittel und Pharmazeutika.

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Lösung 3

Ölfreier Kompressor

Druckluft wird mit ölfreien Kolben- oder Schraubenkompressoren erzeugt, ohne dass die Druckluft mit flüssigen oder dampfförmigen Ölen in Kontakt kommt, weil der Verdichtungsraum nicht geschmiert wird und Schraubenpaare ohne gegenseitige Berührung laufen. Die so hergestellte Druckluft wird oft als „technisch ölfrei“ bezeichnet. Möglich ist dies nur durch perfekte Abdichtung und höchste Präzision. Damit gehen hohe Investitionskosten und begrenzter Betriebsdruck einher.

Bietet ein ölfrei verdichtender Kompressor volle Sicherheit?
Zwar gelangt durch einen ölfrei verdichtenden Kompressor kein zusätzliches Öl in das Druckluftnetz. Da Verunreinigungen (wie z.B. Verbrennungsabgase aus dem Straßenverkehr oder Heizungsanlagen, Öl-Aerosole und Mikroorganismen) aber auch schon in der Ansaugluft enthalten sind und nach dem Kompressor in aufkonzentrierter Form vorliegen, muss die Druckluft in jedem Fall aufbereitet werden. Oft verbleibt noch ein Ölgehalt über 0,01 mg pro Kubikmeter und entspricht damit der Klasse 2 und evtl. noch schlechter.

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Entscheidungsfinder

Noch nicht ganz sicher?

Wenn Sie sich nicht sicher sind, welche Technik für Ihre Anwendung die richtige ist, nutzen Sie doch unseren Entscheidungsfinder zum Thema Ölfreie Druckluft. Dieser wird Ihnen einen ersten Ansatz geben, auf welche Lösung Sie setzen sollten.

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Thorsten Lenertat - Global Account Manager

Ihr Spezialist für ölfreie Druckluftaufbereitung

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Fallbeispiele

Anwendungen mit ölfreier Druckluft

Jede Branche hat ihre eigenen spezifischen Anwendungen und damit individuelle Anforderungen an die Qualität ihrer Druckluft. Es gibt spezifische Reinheitsklassen für die Druckluftqualität und branchenspezifische Normen, Gesetze oder Richtlinien.

Hier erfahren Sie im Detail, welche Herausforderungen für die einzelnen Branchen typisch sind und wie Unternehmen ölfreie Druckluft effizient und sicher in ihrer Produktion eingesetzt haben.

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Druckluftaufbereitung in der Getränkeindustrie

150 Kubikmeter feinstes Mineralwasser sprudeln Stunde um Stunde aus den 14 Brunnen der Rheinfelsquellen in Duisburg-Walsum. Genug, um alle 60 Minuten 883 Badewannen zu füllen – oder über 207 000 Getränkeflaschen. Des Sprudels Kern in technischer Hinsicht: ölfreie Druckluft zum Betrieb der hochmodernen Abfüllanlagen und ihrer Peripheriesysteme. Eingesetzt wird dafür ein innovatives Katalyseverfahren zur Totaloxidation von Kohlenwasserstoffen im Druckluftnetz.

filter

Sichere ölfreie Druckluft für die Pharmaproduktion

Bei der Herstellung von Arzneimitteln gelten strengste Hygienemaßstäbe für die Produktionsbedingungen. Das gilt selbstverständlich auch für die erforderliche Druckluft. Sie muss absolut ölfrei sein, um die sensiblen Produkte nicht zu kontaminieren. Der Pharmahersteller Nycomed setzt in seinem Werk in Singen auf eine umfangreiche Systemlösung von BEKO, um die Prozessluft zuverlässig ölfrei aufzubereiten.

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Ölfreie Druckluft bei führenden Kaffeeröster

Zwei installierte BEKOKAT von BEKO TECHNOLOGIES aus Neuss garantieren der Firma LAVAZZA eine konstant öl- und keimfreie Druckluft höchster Qualität, welche die äußerst strengen Vorgaben der ISO 8573-1, Klasse 1 Ölgehalt sogar noch übertrifft.

ölfrei

Oberflächenreinigung bei HELLA

Abblasen von Hochleistungselektronik über pulsierende Rotationsdüsen, Abfahren von Kunststoffgehäusen mit säubernden Plasmastrahlen: Beim deutschen Automobilzulieferer Hella übernimmt Druckluft zentrale Aufgaben bei der Oberflächenreinigung sicherheitsrelevanter Bauteile. Wichtigste Anforderung dabei: absolute Ölfreiheit.